„I Shot Andy Warhol“, das fulminante Spielfilmdebüt von Mary Harron („American Psycho“) und einer der umstrittensten Independent-Filme der 1990er Jahre, zeigt eine mitreißende Lili Taylor als Valerie Solanas, eine militante Feministin, deren Mordversuch an Andy Warhol ihrem radikal männerfeindlichen „SCUM-Manifest“ schlagartig zu Ruhm verhalf. Nachdem sie Mitte der 1960er Jahre ihr Studium abgebrochen hatte, schlug sich die brillante, aber unberechenbare Solanas in New York City als mittellose Künstlerin, Sexarbeiterin und Bettlerin durch und schloss bald Freundschaft mit Warhols Superstar Candy Darling, was sie für kurze Zeit in den Kreis des weltweit führenden Pop-Art-Künstlers brachte. Mit lebhafter, fast halluzinatorischer Liebe zum historischen Detail fängt Harron die explosive gegenseitige Befruchtung der politischen und künstlerischen Gegenkulturen New Yorks sowie die Kreativität, den Snobismus und die Dekadenz im Herzen der legendären Factory ein. Getragen von makellosen schauspielerischen Leistungen – und untermalt von einer mitreißenden Filmmusik von John Cale sowie Coverversionen von Hits der Sechzigerjahre durch einige der ikonischsten Bands der Neunziger (R.E.M., Wilco) – ist „I Shot Andy Warhol“ ein prägnantes Porträt einer Rebellin ohne Ausweg und der bald verloren gehenden Generation, für die sie zum Symbol wurde.